RUHESTAND · 8 MIN LESEZEIT

Die 4-Prozent-Regel: Wie viel darfst du im Ruhestand entnehmen?

Von der Spardose-Redaktion · aktualisiert 1. September 2026 · Methodik

Irgendwann dreht sich die Frage um: Jahrzehntelang hast du gespart — und plötzlich geht es darum, wie viel du entnehmen darfst, ohne dass das Geld vor dir aufgibt. Die bekannteste Antwort darauf ist die 4-Prozent-Regel: Entnimm im ersten Ruhestandsjahr 4 Prozent deines Depotwerts und erhöhe den Betrag danach jedes Jahr um die Inflation. Historisch hätte ein breit gestreutes Depot das in den allermeisten 30-Jahres-Zeiträumen durchgehalten.

Bei 400.000 € Depotwert wären das 16.000 € im ersten Jahr, also rund 1.330 € im Monat. Klingt einfach — aber die Regel ist eine Faustformel aus historischen US-Daten, kein Naturgesetz. Was sie für dein Depot bedeutet, rechnest du besser konkret durch:

Rechne es für dein DepotEntnahmerechner · kompakt
Startkapital
Monatliche Entnahme
Rendite p. a.
Kapital reicht
48 Jahre
bis 2073
Vollständiger Rechner →

Wann die Regel nicht funktioniert

Der wunde Punkt der 4-Prozent-Regel heißt Renditereihenfolge-Risiko: Es ist nicht egal, wann schlechte Börsenjahre kommen. Ein Crash in den ersten Ruhestandsjahren trifft dich doppelt — du verkaufst Anteile zu niedrigen Kursen, und genau diese Anteile fehlen später bei der Erholung. Zwei Ruhestände mit derselben Durchschnittsrendite können deshalb völlig unterschiedlich enden.

Die 4-Prozent-Regel beantwortet nicht die Frage „Wie viel darf ich entnehmen?“, sondern „Wie viel hätte in der Vergangenheit meistens funktioniert?“. Das ist ein wichtiger Unterschied.

Dazu kommt: Die Regel wurde für 30 Jahre Ruhestand gerechnet. Gehst du früh in Rente und planst 40 oder mehr Jahre, sind eher 3 bis 3,5 Prozent angemessen. Auch Steuern und Depotkosten knabbern an der Entnahme — im vollständigen Entnahmerechner kannst du die Kapitalertragsteuer zuschalten und siehst sofort den Unterschied.

So machst du die Regel robuster

In der Praxis haben sich drei Anpassungen bewährt: Erstens ein Puffer aus zwei bis drei Jahresentnahmen in Tagesgeld, aus dem du in Crash-Jahren entnimmst, statt Anteile zu verkaufen. Zweitens Flexibilität — wer die Entnahme in schlechten Jahren um 10 bis 20 Prozent senken kann, erhöht die Überlebensdauer des Depots deutlich. Drittens ein jährlicher Realitätscheck: einmal im Jahr neu rechnen statt stur dem Plan aus Jahr eins zu folgen.

Und vergiss die andere Richtung nicht: Die gesetzliche Rente deckt einen Teil deines Bedarfs bereits ab. Je kleiner die Lücke zwischen Wunschbudget und Rente, desto weniger muss dein Depot leisten. Wie groß deine Lücke ist, zeigt dir der Rentenlückenrechner.

Orientierungswerte, keine Anlage-, Steuer- oder Rechtsberatung. Beispielrechnungen beruhen auf Modellannahmen (Methodik).